KOKZYGODYNIE
Schmerz / Schmerzen im Steißbeinbereich

Der Begriff Kokzygodynie bezeichnet Schmerzen im Steißbeinbereich, also am Os cocczygis. Das Ste ißbein wird selbst von "Fachkreisen" des öfteren als Os co ccygeus oder auch Os co ccygeum bezeichnet, obwohl dies falsch ist. Die richtige Bezeichnung lautet Os co ccyg is. Interessanterweise stammt der Wortteil "Coccy" von dem griechischen Wort "kokkyx" ab und dieses bedeutet zu deutsch "Kuckuck". Demnach war das heutige Kr euzbein das ehemalige Kuc kucksbein.

Das Ste ißbein bildet das untere Ende der Wirbelsäule. Es besteht aus aus einer Synostose (= knöcherne Verschmelzung) von drei bis fünf verkümmerten Wirbeln. Entwicklungsgeschichtlich handelt es sich beim Stei ßbein um den rückgebildeten körpernahen Teil des Schwanzskeletts. 

Diese Schmerzerkrankung kommt häufiger bei Frauen als bei Männern vor. Häufig bestehen Schmerzen im Steißbeinbereich (Kokzygodynie) über Jahre hinweg und werden leicht chronisch.

Die rektale (= durch den Enddarm durchgeführte) Untersuchung zeigt bei einer Kokzygodynie eine örtliche Schmerz empfindlichkeit, selten eine deutliche Hypermobilität (= gesteigerte Beweglichkeit). 
Eine operative Entfernung des Ste
ißbein s wird zwar häufiger empfohlen, ist aber nur in seltensten Fällen notwendig.

Eine (chronische) Kokzygodynie tritt vor allem beim Sitzen auf und kann verschiedene Ursachen haben: 

Die genannten Ursachen führen i.d.R. zu einer unspezifischen Entzündung der Knochenhaut (Periostitis) des S teißbei ns, nicht selten auch in Kombination mit dem Knochen gewebe (Ostitis bzw. Osteitis).

Zur Behandlung der Schmerzen im Steißbeinbereich hat sich insbesondere die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) sehr bewährt.
Die unteren sakralen
(= dem Kr euzbein entstammenden) Ner venwurzeln ((4)+5) bilden zusammen mit den ebenfalls paarigen Nervenwurzeln (1-3) des Steißbeins den sog. Plexus coccygeus (= Nervengeflecht des Ste ißbeins). Zur Therapie werden deshalb dicht neben dem unteren Kreuz- und Stei ßbein wiederholt großzügige Infiltrationen mit dem örtlichen Betäubungsmittel durchgeführt. Ein Kontakt der Kanülenspitze mit den Knochen ist dabei zu vermeiden, weil dies sehr schmerz haft sein kann.
In aller Regel reicht es aber nicht aus, diese Behandlung, wie leider so oft üblich, nur 1-2 mal pro Woche durchzuführen, da selbst die lang wirkenden Lokalanästhetika
(= örtliche Betäubungsmittel) nur ein paar Stunden anhalten. Wir führen eine solche Behandlung konsequent 2 bis 3 mal täglich, auch am Wochenende durch, was aber für auswärtige Patienten eigentlich nur stationär oder zumindest teilstationär möglich ist.

Falls diese Maßnahme nicht ausreicht bieten sich zu Schmerzbehandlungen im Steißbeinbereich wiederholte Sakr alblockaden (Kau dal-Blockaden) an. 
Dabei handelt es sich um eine sog. rückenmarknahe Betäubung, die über einen kleinen Spalt im K reuzbein (Sakralkanal) durchgeführt wird. In hartnäckigen Fällen kann diese Betäubung auch kontinuierlich mit einem eingepflanzten Kunststoffschlauch (Katheter *) erfolgen, sofern dieser wegen der der Gefahr einer Infektion
(= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien) (Nähe zum Enddar m!) seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel kann die rückenmarknahe Blockade / Betäubung auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Schließlich wird man sich bei einem hartnäckigen und heftigen Schmerz im Steißbeinbereich zu einer kontinuierlichen, lumbalen
(= den Lendenbereich betreffenden) epiduralen Blockade mit Katheter entschließen. Diese Methode hat gegenüber der oben beschriebenen, kontinuierlichen kaudalen Blockade den Vorteil, daß der eingepflanzte Katheter länger im Körper belassen werden kann, da das Risiko einer Infektion (= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien) hier geringer ist. 

Dass die schmerz lindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, hilfreich ist. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche  intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerz gedächtnis zu löschen.

Wie oben schon ausgeführt liegt einer Kokzygodynie meist eine entzündliche Reaktion der Knochenhaut zugrunde. Unter optimalen Durchblutungsbedingungen heilt diese aber sicher aus. Daß Lokalanästhetika (örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerz los nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.

Bei länger bestehender Kokzygodynie sind hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Darüber hinaus ist im Rahmen einer psychologischen Begleitbehandlung auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

Zum Schluß noch eine gute Nachricht für alle Schmerzpatienten

Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik

Falls Sie wissen möchten, woher

  1. dieser Text stammt und

  2. wer seit mehr als 22 Jahren ambulant und stationär eine qualifizierte Schmerztherapie und

  3. natürlich für Ärzte auch die volle Weiterbildung zur speziellen Schmerztherapie anbietet, darüber hinaus

  4. eine Weiterbildungsermächtigung für 1 Jahr Anästhesie besitzt (und das als Reha-Einrichtung !!),

  5. neuerdings auch 18 Monate für das Fachgebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin und 

  6. natürlich auch für die Zusatzbezeichnung Rehabilitationswesen weiterbildungsberechtigt ist,

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Aktualisiert: k u  08.04.06
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